FAQ Dispersionskleber auf dem Rückzug?

Dispersionskleber auf dem Rückzug?

Frage:

Dispersionskleber haben – nicht zuletzt wegen des Trends zu großformatigen Parkettelementen – an Bedeutung verloren?


Domink Kison:

Der in der Branche erkennbare Trend der immer mehr rückläufigen Verbrauchsmengen an Kunstharz-Dispersions-Parkettklebstoffen ist im Markt durchaus deutlich spürbar. Diese Entwicklung sehe ich insbesondere aufgrund des über Jahrzehnte immer mehr zunehmend erreichten hohen Qualitätsstandard von Kunstharz-Dispersions-Parkettklebstoffen als nicht gerechtfertigt.

Vor vielen Jahren, als die Gefahrstoffverordnung und dieser folgend die TRGS 610 immer mehr an Bedeutung gewonnen haben, habe ich für mich und damit eben auch in der Empfehlung die Formel geprägt, grundsätzlich alles mit einem Kunstharz-Dispersionsklebstoff als Ersatz für die damals noch stark gebräuchlichen Kunstharz-Lösemittel-Parkettklebstoffe zu kleben, was mit einem Kunstharz-Dispersionsklebstoff Parkett-, Holz- und Unterbodenarten betreffend mit einem Dispersionsklebstoff geklebt werden kann.

In Fällen, wo dies begründet nicht möglich ist, würde ich dann, aber auch erst dann reaktive Klebstoffsysteme einsetzen und begründet gänzlich auf Kunstharz-Lösemittel-Parkettklebstoffe verzichten. Letzteres hat sich in der Praxis durchgesetzt.

Allerdings ist ein Trend durchaus erkennbar, dass man auch in vielen Fällen, wo dies überhaupt nicht notwendig ist, Parkettklebstoffe mit reaktiven Klebstoffsystemen ausführt und der Kunstharz-Dispersions-Parkettklebstoff leider immer weniger Akzeptanz findet. Dabei geht man vielfach davon aus, dass man mit reaktiven Klebstoffsystemen problematischen Situationen eher und leichter gerecht wird als mit Kunstharz-Dispersions-Parkettklebstoffen.

Dies trifft nach meiner Auffassung jedoch so nicht zu. Richtig ist, dass die Klebung z.B. von großformatigen Parkettelementen mit Kunstharz-Dispersions-Parkettklebstoffen eine entsprechend höhere Präzision in der Untergrundvorbereitung erfordert, worin nach meiner Auffassung jedoch gerade eine Chance für den qualifizierten Parkettleger besteht, sich deutlich von den, den vermeintlich einfachen Weg gehenden Mitbewerbern abzuheben, die meinen, mit reaktiven Klebstoffsystemen allen bestehenden Problemen wirkungsvoll begegnen zu können.

Bei ordnungsgemäßer Anwendung gibt es in vielen Fällen keine zwingende Notwendigkeit, auf reaktive Klebstoffsysteme zurückzugreifen, wenn es auch sicherlich viele und auch im Einzelfall zwingende Anwendungsbeispiele gibt, wo der Einsatz reaktiver Systeme sinnvoll ist. In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine fachtechnische Unsitte aufmerksam machen. Aus meiner Sicht gibt es keinen vernünftigen Grund, bei der beabsichtigten Verlegung eines herkömmlichen Mosaikparketts auf einen Kunstharz-Dispersions-Parkettklebstoff zu verzichten und anstelle dessen ein reaktives Klebstoffsystem einzusetzen.

Insbesondere weichmacherhaltige reaktive Klebstoffsysteme haben hier in der Vergangenheit in vielen Fällen zu erheblichen Problemen geführt und werden auch in Zukunft Grund für Beanstandungen sein, aus welcher sich dann die betreffenden Hersteller- und Lieferfirmen von Klebstoffen einerseits und Oberflächenbehandlungssystemen andererseits mit jeweiligem Verweis auf die jeweils anderen herausreden.

Vor dem Hintergrund, dass man mit einem reaktiven Klebstoffsystem auch nicht alle Schwächen des Untergrunds heilen kann, ist mir ein mit einem Kunstharz-Dispersions-Parkettklebstoff nach entsprechend sorgfältiger Prüfung und Vorbereitung des Untergrundes geklebtes, auch großformatiges Mehrschichtparkett die technisch überzeugendere Lösung. Einzige Ausnahme bilden nach meinem heutigen Kenntnisstand großformatige massive Elemente. 

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